Ein farbenprächtiger Vogel mit außergewöhnlichen Jagdtechniken

Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist ein faszinierender Vogel, der aufgrund seiner bunten Gefiederfarben und seines einzigartigen Jagdverhaltens große Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Merkmale
Der Bienenfresser ist ein mittelgroßer Vogel, der etwa 28 cm lang wird. Sein auffälliges Gefieder ist von lebhaften Farben geprägt: Die Oberseite ist türkisblau, die Unterseite leuchtend rot, und um die Augen verläuft ein schwarzer Streifen. Die Flügel sind lang und schmal, was ihm ein schnelles und wendiges Flugverhalten ermöglicht. Der Schnabel ist spitz und leicht nach unten gebogen, perfekt angepasst an seine Ernährungsgewohnheiten.
Lebensraum
Der Bienenfresser ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens beheimatet. Er bevorzugt offene Landschaften wie Wiesen, Felder, Steppen und Halbwüsten. Besonders wohl fühlt er sich in Gebieten mit lockerem Sand- oder Lehmboden, da er dort Nisthöhlen in steile Böschungen graben kann. Diese Hügelregionen bieten ihm auch ausreichend Nahrung in Form von Insekten.
Ernährung und Jagd
Der Name „Bienenfresser“ lässt bereits vermuten, dass sein Hauptnahrungsmittel Bienen sind. Tatsächlich ernährt sich der Bienenfresser von einer Vielzahl von Insekten, darunter Bienen, Hummeln, Wespen und Schmetterlinge. Seine Jagdtechnik ist äußerst beeindruckend: Aus einer erhöhten Position wie einem Ast oder einer Stromleitung aus beobachtet er seine Beute und nimmt sie dann im Flug ins Visier. Mit hoher Geschwindigkeit stößt er herab und fängt die Insekten mit seinem Schnabel. Um sich vor den gefährlichen Stacheln der Bienen zu schützen, schlägt der Bienenfresser die Beute mehrmals gegen einen Ast, um den Giftstachel zu entfernen, bevor er sie verschlingt.
Nisten
Sobald die Paarung abgeschlossen ist, beginnen die Vögel mit dem Bau ihrer Nisthöhlen in steilen Lehmböschungen oder Sandbänken. Diese Höhlen werden mit dem Schnabel und den Krallen gegraben und haben einen Tunnel, der zu einer Brutkammer führt. Die Brutkolonien des Bienenfressers können beeindruckende Ausmaße erreichen, da mehrere Paare oft in unmittelbarer Nähe zueinander nisten.
Sobald die Nisthöhle fertiggestellt ist, legt das Weibchen etwa 4-7 Eier. Beide Elternteile beteiligen sich aktiv an der Brutpflege. Die Brutdauer beträgt etwa 20-25 Tage, wobei die Eltern sich beim Brüten abwechseln. Während dieser Zeit verlassen die Eltern die Nisthöhle nur, um Nahrung zu suchen und ihre eigenen Energiereserven aufzufüllen.
Sobald die Küken schlüpfen, sind sie nackt und blind. Sie sind völlig auf die Fürsorge ihrer Eltern angewiesen. Beide Elternteile füttern die Küken mit einer reichhaltigen Auswahl an Insekten, die sie auf ihren Jagdausflügen erbeuten. Die Küken wachsen schnell heran und entwickeln innerhalb weniger Wochen Federkleid und Flugfähigkeit.
Es ist interessant zu beachten, dass der Bienenfresser eine besondere Methode verwendet, um den Geruch von Raubtieren von seiner Nisthöhle fernzuhalten. Er bedeckt den Eingang der Höhle mit einer Mischung aus Speichel und Exkrementen, die einen starken Geruch aufweist. Diese unangenehme Barriere dient als Abschreckung für mögliche Eindringlinge und schützt die Küken vor Feinden.
Sobald die jungen Bienenfresser flügge sind, verlassen sie gemeinsam mit ihren Eltern die Brutkolonie und machen sich auf den Weg zu ihren Winterquartieren in Afrika. Die jungen Vögel lernen auf diesem Zug von ihren Eltern die Route und die Jagdtechniken. Das Brutverhalten des Bienenfressers zeugt von einer bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der kolonialen Organisation. Diese Vögel sind bekannt für ihre hingebungsvolle Fürsorge für ihre Jungen und die gemeinschaftliche Verteidigung ihrer Nistkolonien. Ihr Brutverhalten ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und das soziale Verhalten von Vögeln.
Jana Rotzetter und Sandro Giovannangelo