Von der Urgeschichte bis ins frühe Mittelalter
Archäologische Funde zeigen, dass der Simplonpass bereits in der Jung- und Mittelsteinzeit von Jägern und Sammler bewohnt oder zumindest überquert wurde. Später wurden Spuren von Siedlungen (1400-1100 v.Chr.) bei Gamsen im Rohnetal gefunden, welche belegen, dass es in der Bronzezeit erste Handelsbeziehungen vom Oberwallis bis ins Val d’Ossola und dem Tessin gab.
Auch die Römer überquerten den Pass, was durch Münzfunde belegt werden konnte. Wie genau und wie oft der Pass allerdings begangen wurde, kann man noch nicht sagen.
Mittelalter
Eine erste rege Nutzung des Passes ist ins 12. Und 13. Jahrhundert zu datieren. Der Simplonpass diente als kürzeste Handelsroute zwischen den lombardischen Städtebünden und der Champagne. An beiden Orten blühte die Wirtschaft in diesen Jahrhunderten auf und so wurde der Simplonpass neben dem Grossen St. Bernard, der zunehmend vom Simplon in den Schatten gestellt wurde, zur wichtigsten Transitachse.
Zusätzlich lag der Simplon im Spannungsfeld zwischen Savoyen und Frankreich, Mailand und dem Heiligen Römischen Reich. Daraus entstand ein Konkurrenzkampf zwischen dem Gotthard, unter Einfluss der Habsburger und dem Simplon, unter den Savoyer. Zu dieser Zeit wurden auch erstmals Handelsverträge geschlossen und es gab ein Johanniter Hospiz, dass erstmals 1235 erwähnt wurde. Wann und wie genau es erbaut wurde ist unklar.
Durch innen und aussenpolitische Konflikte litt der Unterhalt der Verkehrswege und die Warenströme verlagerten sich mehr in den Osten. Durch zusätzliche Kriege verlor der Simplon vollends seine Bedeutung. Das Hospiz verfiel und wurde 1655 von Kaspar Stockalper vom Thurm gekauft.
Die frühneuzeitliche Handelsroute und das Stockalperhospiz
Der Verkehr über die Bündner Pässe und dem Gotthard brach während dem 30-jährigen Krieg zusammen. In dieser Zeit gelang es Kaspar Stockalper den Handelsverkehr über den Simplonpass zu leiten. In diesem Zug baute er eine Landstrasse durch das Wallis den mittelalterliche Saumweg über den Simplon. Es gab sogar wöchentliche Kurierdienste von Genf nach Mailand. Auch die Walliser profitierten von diesem Aufschwung, der jedoch 1678 mit dem Sturz von Stockalper wieder einbrach.
Jedoch sehen wir noch heute Überreste seiner Taten. So gibt es das alte Spittel (Stockapler Hospiz) auf dem Simplon und den Stokaplerturm in Gondo.

Die napoleonische Militärstrasse
Im Jahre 1800 begann der Bau einer befestigten und befahrbaren Strasse über den Simplonpass auf Anweisung Napoleons. Das Ziel war es, eine direkte militärische Verbindung zwischen Frankreich und Italien herzustellen. Obwohl Napoleons ursprünglicher Plan, den Simplonpass zur Krönung des Königs von Italien im Frühling 1805 zu überqueren, nicht realisiert werden konnte, wurde die Strasse schließlich im Herbst 1805 eröffnet. Sie wurde zur ersten modernen Kunststrasse in den Alpen und spielte eine bedeutende Rolle in Napoleons Expansionsplänen. Die Strasse bot die schnellste Verbindung zwischen Paris und Mailand und erlebte eine Blütezeit. Kurz nach der Eröffnung wurde ein Kutschenpostservice eingerichtet, und der Winterbetrieb mit Pferdeschlitten erstreckte sich bis zum Jahr 1953. Im Juni 1815 durchquerten die letzten fremden Truppen, bestehend aus 80.000 österreichischen und russischen Soldaten unter der Führung von General Ferdinand von Bubna, den Simplonpass auf ihrem Weg nach Frankreich.

Das Hospiz der Augustiner
Im Rahmen des Strassenbaus während der napoleonischen Ära entstanden am Simplonpass neben acht grösseren Brücken und sieben Galerien auch mehrere Schutzhäuser. Ebenfalls wurden das Hotel Post in Simplon Dorf und das Hospiz auf der Passhöhe errichtet. Im Jahr 1801 wurde der Befehl zur Errichtung eines dritten Hospizes gegeben, das fortan von den Augustiner Chorherren des Grossen St. Bernhard betrieben werden sollte. Vorübergehend bewohnten die Chorherren von 1809 bis 1831 das Alte Spittel von Stockalper. Das Gebäude wurde im Jahr 1831 bezogen und schließlich im Jahr 1835 fertiggestellt.

Das Hospiz der Augustiner am Simplonpass diente als Unterkunft für Reisende und Pilger und spielte eine bedeutende Rolle bei der Verbindung zwischen der Schweiz und Italien. Im Verlauf der Jahrhunderte haben die Augustiner Chorherren ihre Tradition der Gastfreundschaft bewahrt und das Hospiz zu einem bemerkenswerten kulturellen und historischen Ort gemacht.
Der Simplonpass vom 19. Jahrhundert bis heute
Der Simplonpass behielt auch nach der napoleonischen Ära eine gewisse strategische Bedeutung im Zusammenhang mit den Spannungen zwischen Frankreich, Österreich und Italien. In den 1830er Jahren wurden in der Gondoschlucht Verteidigungsanlagen errichtet, die 1859 erneuert wurden. Während dem Zweiten Weltkrieg spielte der Simplonpass von 1940 bis 1944 eine Rolle im schweizerischen Réduit-Konzept, und der beeindruckende Steinadler auf der Passhöhe erinnert an die damalige Grenzsicherung.
Die Strasse über den Simplonpass weckte im 19. Jahrhundert aufgrund ihrer beeindruckenden technischen Leistung grosses Interesse und zog viele Alpentouristen an, insbesondere während der Zeit der Postkutschen. Allerdings war dieser Erfolg nur von kurzer Dauer. Andere Alpenpässe traten zunächst in Konkurrenz zum Simplonpass. Später führten die Eröffnungen der Eisenbahnstrecken über den Brenner (1867), durch den Mont Cenis (1871) und durch den Gotthard (1882) zu einem deutlichen Rückgang des Güter- und Personenverkehrs am Simplonpass. Der grösste Rückschlag erfolgte 1906 mit der Eröffnung des Simplontunnels, damals der längste Eisenbahntunnel der Welt. Im Jahr 1919 wurde erstmals ein Postauto über den Pass geschickt. Am 23. September 1910 wagte der Flugpionier Geo Chavez den ersten Flug über den Simplonpass von Ried-Brig nach Domodossola, verunglückte jedoch bei der Landung und starb vier Tage später an den Folgen des Absturzes.

Ab 1957 wurde die Passstrasse ausgebaut, wobei die neue Streckenführung weitgehend der ursprünglichen napoleonischen Strasse folgte und diese teilweise zerstörte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich der Simplonpass zu einem beliebten Ziel für Ausflüge und Wanderungen entwickelt. Im Jahr 1994 wurde der komplett restaurierte Stockalperweg zwischen Brig und Gondo eröffnet. Dieser Weg folgt grösstenteils dem mittelalterlichen Saumpfad und führt die Besucher durch landschaftlich interessante Gebiete. Entlang des Stockalperwegs befindet sich auch das ehemals geheime Fort Gondo, das heute Teil des Ecomuseums Simplon ist.
Heutzutage spielt der Simplonpass eine Rolle als Verbindung zwischen der Schweiz und Italien. Neben dem Verkehrsaufkommen für den Gütertransport wird die Strasse von zahlreichen Touristen und Reisenden genutzt, die die faszinierende Landschaft der Alpen geniessen möchten.
Der Simplonpass kann auf eine vielseitige Vergangenheit zurückblicken, die von verschiedenen Aspekten wie der militärischen Bedeutung, dem Tourismus und der modernen Verkehrsinfrastruktur geprägt ist. Als Teil der Alpenpässe spielt er eine bedeutsame Rolle in der regionalen Entwicklung und zieht Besucher aus aller Welt an.
Quellen
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008806/2012-12-19/ (27.05.2023)
https://denkmalpflege-schweiz.ch/2021/07/28/simplon-geschichte/ (27.05.2023)
https://de.wikipedia.org/wiki/Stockalperturm (28.05.2023)
Sirine Chebbi und Annabel Blanchard