Gamsenried – Die Lonza Deponie

Gamsenried (https://www.moneycab.com/schweiz/presse-gamsenried-sanierung-koennte-lonza-ueber-1-milliarde-franken-kosten/)

Lonza

Die Lonza wurde 1897 gegründet und gehört zu den grössten Pharmazulieferer der Schweiz. Sie ist heute auf den fünf Kontinenten tätig und ist bezüglich der Pharma-, Biotech- und Ernährungsmärkte ein globaler bevorzugter Partner. Die Lonza arbeitet in Entdeckungs-, Entwicklungs- und Herstellungsphasen von pharmazeutischen Wirkstoffen. Produkte für Gesundheit, Hygiene, materielle Konservierung, Körperpflege oder Materialschutz werden unter anderem in der Lonza entwickelt. Während der Covid-Pandemie produzierte die Lonza den Wirkstoff für den Covid-19-Impfstoff von Moderna

Lonza in Visp (https://www.badische-zeitung.de/pharmazulieferer-lonza-waechst-im-raum-basel)

Das erste Betriebsgelände der Lonza wurde 1897 in Form eines kleinen Kraftwerks am Ufer des Flusses Lonza in Gampel (VS) gegründet. 1907 zog die Lonza nach Visp um. Dieser Umzug bezweckte eine Vergrösserung des Unternehmens und somit eine Förderung des Erfolges und Wachstums im 20. Jahrhundert.

Die Geschichte der Altlastdeponie Gamsenried

Fässer mit Giftmüll der Lonza (https://www.srf.ch/news/schweiz/giftmuelldeponie-der-lonza-so-soll-die-deponie-gamsenried-im-wallis-vom-gift-befreit-werden)

1918 wurde die Deponie Gamsenried erstmals in Betrieb genommen. Damals war das Abfallprodukt Kalkhydrat (Ca(OH)2), das bei der Produktion von Carbid aus Kohle und Kalkstein entstand. Das Kalkhydrat wurde in grossen Mengen auf die Deponie gepumpt, wo sie anschliessend laguniert wurde. Zur selben Zeit wurde für die Produktion von Acetaldehyd mit einem Quecksilber-Katalysator gearbeitet. Dementsprechend konnte Kalkhyrdat und ein geringen Queckilbergehalt festgestellt werden.

1941 wurde aus der Produktion von Acetaldehyd das Quecksilber wiedergewonnen werden. Das Abfallprodukt wechselte zu quecksilberhaltigen Gipsabfälle, die immer noch mit Kalkhydrat auf die Deponie gepumpt wurde.

Ab den 1960er wurde eine “Cracker“-Anlage in Betrieb genommen. Dabei wurde unter anderem Benzin in Ethylen gespaltet. Da dabei kein Quecksilber-Katalysator benutzt wurde, fielen keine quecksilberhaltige Abfälle meht an. 1963 wurden Produkte, die auf Anilin und weiteren Aminen basieren, produziert. Abfallprodukte, die dabei anfielen, waren Gipssuspensionen, die mit Ammonium oder Aminen verunreinigt waren. Zugleich wurde Schlamm aus der neuen Neutralisations-/Sedimentationsanlage auf die Deponie gepumpt. Zusätzlich gelangten Abfällen aus diversen Gemeinden und weitere Abfälle auf die Deponie.

1978 wurde die Lagunierung von Chemiabfällen beendet. In den folgenden Jahren wurden nur noch geringe Mengen an chemischen Abfällen auf die Deponie gepumpt. Allerdings wurden nicht-chemische Abfälle bspw. Material vom Bau der Autobahn A9 und weiteres abgelagert. Dies führte teilweise zu Umschichtungen und führte 2011 dazu, dass der Betrieb der alten Deponie entgültig eingestellt wurde.

Heute wird die Deponie und vor allem das Grundwasser im Abstrom der Deponie überwacht und untersucht. Zeitgleich wird am Sanierungsprojekt gearbeitet.

Das Problem von Gamsenried

Die auf der Deponie abgelagerten Chemikalien stellen eine Gefahr für das Trinkwasser der Umgebung dar. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Grundwasser durch verschiedene Schadstoffe stark gefährdet ist, weshalb eine Sanierung der Deponie dringendst notwendig ist. Die Hauptschadstoffe sind die folgenden:

Quecksilber

Quecksilber (Hg) ist das einzige Metall, dass bei Raumtemperatur in flüssigem Zustand ist. Es kommt in verschiedenen chemischen Formen vor; in elementarer Form, anorganischer Form, organischer Form oder als Legierung mit einem anderen Metall. Lonza brauchte anorganische Quecksilberverbindungen als Katalysatoren für die Herstellung von Acetaldehyd aus Acetylen.

Auf der Deponie im Wallis handelt es sich ebenfalls um anorganisches Quecksilber wobei dies hauptsächlich als Salz vorliegt und kaum mobil ist. Das heisst, dass sich das Quecksilber in nicht mobiler Form nicht in die Tiefe Verlagern kann und somit eine Gefahr für das Trinkwasser darstellt. Falls jedoch Quecksilber in mobiler Form vorhanden ist, dann kann dieses potenziell in das Grundwasser gelangen und das Trinkwasser der Bewohner gefährden. Untersuchungen haben aber auch

Die Toxizität des chemischen Stoffes ist von Form zu Form unterschiedlich. Im Fall Gamsenried handelt es sich, wie bereits erwähnt um anorganisches Quecksilber. Bei oraler Aufnahme dieses Stoffes hat dies schwere Verätzungen in der Mundhöhle, im Rachen und in der Speiseröhre zur Folge. Dazu gehören blutiges Erbrechen und Übelkeit. Wenn anorganisches Quecksilber in den Magen-Darm-Trakt gelangt, kann dies zu einem Kreislaufkollaps und Schock führen, was tödlich enden kann. Zudem sind das zentrale Nervensystem sowie die Nieren empfindliche Zielorgane.

Benzidin

Benzidin ist ein chemischer Stoff der Amin-Gruppe und ist hochtoxisch. Dieser Stoff wirkt krebserregend und kann nach Blasentumore bilden. 2008 wurde Bezidin erstmals in Brunnen entdeckt, damals gab man diesem Schadstoff jedoch keine grosse Relevanz. 2015 wurde bei einer weiteren Wasseranalyse kein Benzidin mehr entdeckte. 2020 konnte jedoch bei einer Überprüfung der Analyse vom Jahr 2015 trotzdem einen Anteil an Benzidin im Wasser festgestellt werden. Zwei Jahre zuvor (2018) wurden an mehreren Stellen im Grundwasser höhere Konzentrationen an Benzidin nachgewiesen.

Sanierung

Prozessablauf der Sanierung (https://www.lonza.com/visp/gamsenried/de/sanierungsprozess)

Im September 2020 wurden bei einer Medienkonferenz mehrere Sanierungsvarianten von Lonza und dem Kanton Wallis vorgestellt. Die Sanierung ist so komplex, dass Lonza bereits vorher dem Kanton eine Vorstudie zur Verfügung gestellt hat.

„Die Vorstudie identifiziert Deponiebereiche mit möglichst einheitlichen Belastungen. Sie unterbreitet Vorschläge zu deren Sanierung und zur Priorisierung der Massnahmen. Lonza schlägt vor, die belasteten Sektoren der Deponie (sogenannte «Massnahmenbereiche») in unterschiedlichen Prozessen zu sanieren. Dieses Vorgehen ermöglicht es, das Sanierungsprojekt rasch voranzutreiben“ (Quelle:https://www.lonza.com/visp/gamsenried/de/sanierungsprozess)

2021 wurde eine Gefährdungsabschätzung durchgeführt. Diese Studie kommt zum Schluss, dass das Grundwasser einzige Relevante Schutzgut ist und das dieses vor allem durch den Schadstoff Benzidin gefährdet ist. Somit liegt die Priortät bei der Optimierung der bereits vorhandenen hydralischen Sicherungsbarrieren und dem Biosparging. Letzteres ist eine Technik, wobei einige Schadstoffe im Boden oder Grundwasser durch einen biologischen Ansatz, der Biosparging genannt wird, entfernt werden. Demnächst wird die Detailuntersuchung abgeschlossen und die Variantenstudie erarbeitet, wobei mehrere Sanierungsvarianten evaluiert werden.

Bis jetzt können die Kosten für die gesamte Sanierung noch nicht abgeschätzt werden, dafür müssten die Sanierungsmethoden festgelegt werden, was bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht der Fall ist. Es wurde aber für die erste Phase der Sanierung bereits eine Kostenabschätzung vorgenommen. Der Schätzbetrag lieg bei CHF 285 Millionen. Über die Dauer der Sanierung ist bis jetzt kaum etwas bekannt.

Quellen

https://www.badische-zeitung.de/pharmazulieferer-lonza-waechst-im-raum-basel (27.05.2023).

https://www.lonza.com/visp (27.05.2023).

https://www.lonza.com/visp/gamsenried/de/geschichte-der-alten-deponie (28.05.2023).

https://www.lonza.com/visp/gamsenried/de/sanierungsprozess#massnahmen (28.05.2023)

https://www.lonza.com/visp/gamsenried/de/belastungen (28.05.2023)

https://quecksilber.lonza.com/quecksilber/was-ist-quecksilber (28.05.2023)

https://www.srf.ch/news/schweiz/altlasten-im-wallis-dreckiges-grundwasser-umweltverbaende-verlieren-geduld (28.05.2023)

https://www.lonza.com/-/media/Lonza/Lonzacom/news-and-media/20200407_MM-Benzidin_DE.pdf (28.05.2023)

https://bioclearearth.com/techniques/biosparging (28.05.2023)

Inès Mathilde Andrey & Mira Louise Andrey